Die Selbstverteidigungssparte des SV Rot-Weiß Kassel vereint Techniken verschiedener Kampfkünste und überträgt diese Vielfalt auf die straßenorientierte Selbstverteidigung. Dabei besteht die Möglichkeit, sich innerhalb der Sparte im Laufe der Zeit zu spezialisieren.
Am 22. April fand in der Sporthalle der Offenen Schule Waldau eine Prüfung in der Selbstverteidigung (SV) statt. Michaela Frömke aus der SV-Sparte sowie Belal Chahrour aus der Karate- und SV-Sparte stellten unter den kritischen Blicken der Trainer Thomas und Tanja Wagner ihr Können unter Beweis.
Diese sogenannte Schülerprüfung ist anspruchsvoll – selbst für erfahrene Kampfkünstler. Dem Prüfling stehen drei mit Schutzausrüstung ausgestattete Gegner gegenüber. Er muss sich im Kreis zu den jeweiligen Gegnern bewegen und den Anweisungen eines Moderators folgen. Dieser gibt vor, in welcher Position sich der Prüfling befinden muss, beispielsweise in einer natürlichen Stellung, einer Schutzstellung oder mit dem Rücken zum Gegner. Nach der Anweisung gilt es, den Angriff abzuwarten und flexibel darauf zu reagieren.
Zwar sind viele Angriffe und Verteidigungen einstudiert, doch in dieser Prüfung wird man bewusst unter Stress gesetzt und stark gefordert. Dadurch gelingt es häufig nicht, das Geübte exakt umzusetzen, sodass eher intuitiv und situationsabhängig reagiert wird.
Ein großer Teil der Angriffe beginnt mit einem Stoß gegen den Prüfling; im Moment seiner Reaktion folgt dann der eigentliche Angriff. Besonders anspruchsvoll sind Angriffe mit Stöcken und Messern, da diese nicht immer vollständig abgewehrt werden können. Neben diesen gefährlicheren Angriffen – etwa mit Messer, Stock oder durch Würgen – gibt es auch weniger gefährliche Szenarien, in denen der Prüfling festgehalten oder gezogen wird. In solchen Fällen muss er sich aus dem Griff befreien und der Situation entkommen.
Von jedem Angreifer gehen 15 Angriffe aus, sodass der Prüfling insgesamt 45 Angriffe bewältigen muss. Aufgrund des Umfangs und der Intensität stößt man dabei schnell an körperliche Grenzen, da Ausdauer und Kraft nachlassen. In der Realität würden solche Angriffszahlen natürlich nicht auftreten. Gerade deshalb stellt die Prüfung eine Grenzerfahrung dar und bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten kritisch zu hinterfragen und gezielt weiterzuentwickeln.
Am Ende der Prüfung freuten sich alle Teilnehmer über den erfolgreichen Abschluss. Schwere Verletzungen blieben aus; lediglich einige Prellungen und blaue Flecken traten auf – Begleiterscheinungen, die bei möglichst realitätsnahem Training kaum zu vermeiden sind, wobei stets auf den Prüfungspartner Rücksicht genommen wird. Insgesamt war es für alle Beteiligten eine interessante und lehrreiche Erfahrung.
